{"id":8086,"date":"2022-05-05T22:52:16","date_gmt":"2022-05-05T20:52:16","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.alpsware.at\/hp12\/?post_type=event&#038;p=8086"},"modified":"2022-05-09T13:06:36","modified_gmt":"2022-05-09T11:06:36","slug":"ausstellung-diana-deu-galerie-ii-st-andrae","status":"publish","type":"event","link":"https:\/\/st-andrae.info\/it\/veranstaltungen\/ausstellung-diana-deu-galerie-ii-st-andrae\/","title":{"rendered":"Ausstellung Diana Deu Galerie II St. Andr\u00e4"},"content":{"rendered":"<div class=\"em em-view-container\" id=\"em-view-131963850\" data-view=\"event\">\r\n\t<div class=\"em-item em-item-single em-event em-event-single em-event-425\" id=\"em-event-131963850\" data-view-id=\"131963850\">\r\n\t\t<div class=\"event_header\">\r\n\r\n<p class=\"sixcol\">\r\n\t<i class=\"far fa-clock\"><\/i>\r\n\t<em>Datum:<\/em><br\/><strong>6. Aprile 2022<\/strong> at <strong>18:30<\/strong><\/p>\r\n\r\n<\/div>\r\n<br style=\"clear:both\" \/>\r\n        <figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"495\" src=\"https:\/\/st-andrae.info\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/2022-E1-Diana-Deu-1024x495.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8088\" srcset=\"https:\/\/st-andrae.info\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/2022-E1-Diana-Deu-1024x495.jpg 1024w, https:\/\/st-andrae.info\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/2022-E1-Diana-Deu-300x145.jpg 300w, https:\/\/st-andrae.info\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/2022-E1-Diana-Deu-768x372.jpg 768w, https:\/\/st-andrae.info\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/2022-E1-Diana-Deu-1536x743.jpg 1536w, https:\/\/st-andrae.info\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/2022-E1-Diana-Deu-2048x991.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<p>VON G\u00dcNTHER HOLLER-SCHUSTER<\/p>\n<p>New Digital Bohemians \u2013<br \/>\u00dcber die neuen Bilder von Diana Deu<\/p>\n<p>\u201eIn f\u00fcnfzig Jahren wird eine Sammlung der Werbetricks und -slogans eine interessantere Lekt\u00fcre bieten, als irgendetwas anderes, das in dieser Generation erschienen ist&#8221;<br \/>Marshall McLuhan, 1930<\/p>\n<p>Was McLuhan 1930 bereits prognostizierte, sollte er 1951 mit dem Erscheinen seines ersten Buches \u201eThe Mechanical Bride. Folklore of Industrial Man&#8221; im Detail analysieren. Werbetexte, Comics und Fernsehen waren dabei Ziel seiner Untersuchungen. Er erkannte, wie bestimmend die Verbreitung trivialer Inhalte durch neue mediale M\u00f6glichkeiten und popul\u00e4rkulturelle Ausformungen in Zukunft sein wird. Der gleichzeitige Einsatz von Schrift und Bild ist f\u00fcr die Werbung grundlegend. Erst sp\u00e4ter, in der Pop-Art, wird darauf massiv auch innerhalb der Kunst reagiert. F\u00fcr McLuhan war jedoch damals schon klar, dass sich hier sowohl auf formaler wie auch auf inhaltlicher Ebene ein v\u00f6llig neuartiger Kanon von inhaltlichen Bez\u00fcgen zu entwickeln beginnt. Nicht nur das, es wird auch zu einer grundlegenden Ver\u00e4nderung des Realit\u00e4tsbewusstseins kommen.<\/p>\n<p>Die Verbindung von Schrift und Bild zu einem narrativen Gesamtkonzept ist im Comic wie in der Werbung von jeher grundlegend. Innerhalb der avantgardistischen Kunstentwicklung hat Dada bereits in den 1910er-Jahren die Sloganhaftigkeit von Sprache in Form von Schrift als neue Ausdrucksform eingesetzt. Collage und Montage waren oft die formalen Tr\u00e4ger dieser subversiv angelegten Resultate. Der Surrealismus, mit seiner intensiven Hinwendung zum Unbewussten und zum Traum, machte eine Verbindung von Ideen und Bildern zu nichtlinearen Erz\u00e4hlstrukturen m\u00f6glich. Erst in den 1970er-Jahren, als die Pop-Art den Bereich der Trivial\u00e4sthetik bereits zu einem integralen Bestandteil der Hochkultur gemacht hatte, definierte sich eine Bewegung, die \u201eLowbrow&#8221; genannt wurde und als Gegenteil von \u201eHighbrow&#8221; (elit\u00e4r, intellektuell) in Stellung gebracht wurde. Man ging dabei abseitigere Wege als in der Pop-Art. B-Movies, Underground Comics, Hot Rod, Surf, Psychedelic und immer wieder Musik von Punk bis Rock &#8216;n&#8217; Roll waren die Referenzen, die pl\u00f6tzlich auch l\u00e4ngst vergangene Bildstrukturen aus dem Bereich der Gebrauchsgrafik in die Gestaltung \u2013 meist Malerei und Plastik \u2013 einbezog. \u201eLowbrow&#8221; kann als eine Formulierung innerhalb der Subkultur angesehen werden, die ihrerseits Design, Mode, Film, Werbung, Fernsehen und Musik stark beeinflusst hat. Nicht umsonst begegnet man wesentlichen Werken dieses Genres in Form von Postern, T-Shirts, Schallplatten-Covers, Magazin- und Buchumschl\u00e4gen etc. Man konnte hier nicht lange im Untergrund bleiben. Die Dynamiken des Mainstreams haben das Vokabular dieser als subversiv zur offiziellen Kunstwelt angelegten Parallelwelt absorbiert. Selbst der charismatische Pionier des Ph\u00e4nomens \u201eLowbrow&#8221;, Robert Williams, muss zugestehen: \u201eI don&#8217;t see any new stuff coming out and breaking any rules. The antisocial stuff is gone. There&#8217;s no subversion left. The innocents came along and they tamed it down. Things are getting chronically cute and politically correct.&#8221; (1)<\/p>\n<p>Man sieht angesichts dieser sehr knappen Darstellung, dass sich im Laufe des 20. Jahrhunderts im Schatten der Avantgarde eine weitere Ebene ausbildete, die einerseits die fehlende Subversivit\u00e4t der k\u00fcnstlerischen Avantgarde und deren elit\u00e4ren Intellektualismus als Ziel des Angriffes hatte. \u00c4hnliches wollte die Avantgarde in ihrer urspr\u00fcnglichen Bestimmung auch. Ein neuer Kanon ist entstanden. Man scheint sich von da an weniger auf die etablierten Geistesriesen des Abendlandes zu berufen, sondern die neuen ma\u00dfgeblichen Gr\u00f6\u00dfen sind u.a. Robert Crumb, Tex Avery oder die Leute von MAD-Magazin. Viele der neuen HeldInnen \u2013 von Betty Boop \u00fcber Tarzan bis Batman \u2013 stammen auch aus Comics und wurden sp\u00e4ter zu Filmstars.<\/p>\n<p>Wenn wir davon ausgehen, dass uns die \u00c4sthetik und die Inhalte der Massenmedien und des Films nicht nur im Bereich der Kunst begegnen, sondern sich unser Bewusstsein im Allgemeinen ver\u00e4ndert hat, so ist es nicht verwunderlich, dass sich immer mehr Menschen \u2013 K\u00fcnstlerInnen und deren Publikum eingeschlossen \u2013 als Teil dieser medialen Realit\u00e4t erleben. Die privaten Geschichten und Inhalte n\u00e4hern sich den medialen an. Heute hat man die volle Integration der Medien in den Alltag erreicht. 24 Stunden Nutzungsm\u00f6glichkeit und Omnipr\u00e4senz haben auch die traditionelle Unterscheidung zwischen privat und \u00f6ffentlich aufgehoben. Ein massiver Wertewandel ist die Konsequenz daraus.<\/p>\n<p>V\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich wird heute, in einer Zeit, in der Pop als zentrales kulturelles Ph\u00e4nomen allgegenw\u00e4rtiger Mainstream geworden ist, in der Kunst nicht mehr zwischen \u201eHigh&#8221; und \u201eLow&#8221; unterschieden. Subversivit\u00e4t ist f\u00fcr eine j\u00fcngere Generation von K\u00fcnstlerInnen nicht mehr notwendigerweise der Antrieb f\u00fcr eine gelungene Kunst\u00e4u\u00dferung. Private Erlebnisse und Erfahrungen sind es, wovon sehr viele K\u00fcnstlerInnen berichten. Nicht selten werden dabei in montageartigen Strukturen Bildelemente zueinander kombiniert und miteinander verschmolzen. Aus den Steinbr\u00fcchen der kulturellen Geschichte, wie aus dem reichhaltigen Angebot der eigenen Wirklichkeit, wird exzessiv entnommen und zu neuen Inhalten zusammengef\u00fcgt. Mike Kelley beschreibt es treffend: \u201eI can draw like a cartoonist, or like an advertisement, or I can draw like Pollock, if I want to. It&#8217;s another style\u2026It&#8217;s just a lexicon\u2026a visual language. I tend to keep to certain lexicons more for social or political reasons than I do for any other reason. I can shift lexicons, based on what I want to say\u2026&#8221;(2)<\/p>\n<p>Diana Deu geht in der k\u00fcnstlerischen Praxis inhaltlich von ihrer eigenen Realit\u00e4t bzw. einer unmittelbaren Umgebungswelt aus. Diese ist, den einleitenden Gedanken folgend, zu einem Konglomerat aus Medienrealit\u00e4t, Popul\u00e4r- und Subkultur geworden. Innerhalb einer globalen Netzwerkkultur haben sich schon dramatische Ver\u00e4nderungen vollzogen. Mit den neuen digitalen M\u00f6glichkeiten stellt man sich als User einer globalen \u00d6ffentlichkeit und bekommt seine konstruierte Identit\u00e4t auch entsprechend weitreichend kommentiert. Der Bereich \u201eSocial Media&#8221; bietet endlich die Chance, sich eine eigene Identit\u00e4t aufzubauen. Diese bleibt nicht auf das Netz beschr\u00e4nkt. Oft sind aber die Auswirkungen im realen Leben verheerend. Sich anderen zu pr\u00e4sentieren, ist besonders wichtig und tr\u00e4gt zur Wirkungsmacht der \u201eSocial Media&#8221; bei. Die permanente Selbstreflexion ist die Folge, weil letztendlich auch alles Private \u00f6ffentlich diskutiert wird.<\/p>\n<p>Diana Deu versucht in diesem Netz an Bedingungen die Frage nach Authentizit\u00e4t und nach der eigenen Identit\u00e4t zu stellen. Vieles ihrer Inspiration bezieht sie selbstverst\u00e4ndlich auch aus den heute existenzbestimmenden Bereichen der Popul\u00e4rkultur. Sie operiert mit dem Allt\u00e4glichen, erkennt es nicht als das andere, von der Kunst geschiedene an, sondern macht es zu ihrem vornehmlichen Material und zum zentralen Thema. In dieser Weise setzt ihre Kunst sich der Realit\u00e4t auf umfassende Art aus. Die Titel ihrer Arbeiten unterstreichen das. Sie landet damit genau in dem Punkt, wo mediale Realit\u00e4t und tats\u00e4chliche Wirklichkeit aufeinandertreffen bzw. kaum mehr zu unterscheiden sind \u2013 \u201eYoung, fresh and sexy&#8221;, \u201eTrust no bitch&#8221;, \u201eKiss my ass&#8221;. Schon McLuhan wusste in Anlehnung eines Werbespruches aus den 1930er-Jahren: \u201eIst der Whisky richtig, werden M\u00e4nner wichtig?&#8221;(3) Er verwendete am Ende des Satzes ein Fragezeichen, das wie ein Augenzwinkern wirkt. Diana Deu setzt ihre Titel so, dass sie aus einer gewissen Klischeehaftigkeit verstanden werden k\u00f6nnen. Diese wirken jedoch im selben Moment entlarvend und verunsichern das Publikum. Vieles davon wirkt wie eine allgemeing\u00fcltige Forderung, anderes zeugt von purer Ablehnung, von aggressivem Hass. Oft wird einfach die Ausweglosigkeit der \u201eKool Killers&#8221; offensichtlich und macht die Szene melancholisch. (4)<\/p>\n<p>Wieder sind wir im Bereich der neuen Medien: Durch die Allgegenw\u00e4rtigkeit von Information und die spontan einsetzbaren weitreichenden M\u00f6glichkeiten des gegenseitigen Austausches kommt es massiv zu Auseinandersetzungen mit zentralen sozialen Aspekten wie Genderfragen, Fragen nach Rollenbildern und Wertevorstellungen. Die eigenen Gef\u00fchle werden im Prinzip daran gemessen, was in Film und Fernsehen als emotional vorgegeben wird. Man bekommt dort mantraartig vorgebetet, wie das Leben zu sein hat \u2013 young, aktiv, sexy und immer gl\u00fccklich. Eine Leistungsgesellschaft aber k\u00e4mpft sich durch die eigenen Abgr\u00fcnde, nicht nur im Beruflichen, sondern auch im Privaten.<\/p>\n<p>Diana Deu hat diese Gewinner, Mitl\u00e4ufer, Opfer und hart an sich arbeitenden jungen Menschen ins Zentrum ihrer k\u00fcnstlerischen Auseinandersetzung gestellt. Sie versucht innerhalb dieses Kontexts eine entsprechende visuelle Sprache herauszubilden und findet diese in vergleichsweise antiquiert anmutenden Medien wie Malerei oder Zeichnung.<\/p>\n<p>Das Ineinandergreifen von unterschiedlichen, scheinbar nicht zusammengeh\u00f6renden Bildelementen l\u00e4sst eine surreale Atmosph\u00e4re entstehen, die formal aber an die Montage, Collage bzw. an die Erz\u00e4hlstruktur von Comics erinnert. Das Bild bleibt nicht bei einem einzigen in Realzeit aufgenommenen Ereignis, sondern bekommt Vielschichtigkeit durch visuelle Gleichzeitigkeit. Es scheint hier ein Stilmittel des Films ganz selbstverst\u00e4ndlich aufgegriffen zu sein. Auch dort werden oft die reale Ebene und die Gedanken- oder Traumebene gleichzeitig eingeblendet oder \u00fcberlagert. Das technische Bild, von der Fotografie bis zum computergenerierten Bild, hat derlei Verdichtungen des visuellen Bereiches als integralen Bestandteil entwickelt und so neue Erz\u00e4hlstrukturen geschaffen. Heute, angesichts der vielzitierten Bilderflut wirkt dieses Ph\u00e4nomen auf das Bildbewusstsein innerhalb der klassischen Medien zur\u00fcck. Deus Zeichnungen und Collagen gehen somit gleichsam von einer postmedialen Kondition aus, in der jedes Medium auf das andere beeinflussend wirkt \u2013 es gleichsam durchdringt. So sind ihre Bilder sowohl Dokumente der eigenen Realit\u00e4t als auch Spiegel der aktuellen visuellen Praxis, die sich nicht nur auf die Kunst speziell bezieht, sondern vielf\u00e4ltige Bez\u00fcge ins reale Leben herstellt. Man hat es hier ebenso mit verdichteten Filmen wie mit visuellen Pop-Songs zu tun. Street Art, Graffiti, Life Style und ein tagebuchartiger Subjektivismus spielen dabei genauso zentrale Rollen, wie der Duktus der Jugendkultur bzw. der Subkultur \u2013 \u201e50 J\u00e4germeister in 15 Minuten&#8221;. Waren es an der Wende zum 20. Jahrhundert noch m\u00fcde AbsinthtrinkerInnen, die einsam in ihr Glas stierten und auf diese Weise ihr bohemienhaftes Wesen zum Ausdruck brachten, so sind es in Diana Deus Fall vielf\u00e4ltigere Indizien, die aus dem klassischen Bohemien oftmals einen fremdgesteuerten Konsumzombie gemacht haben. Die Identit\u00e4tsprobleme, die bis in die eigene Existenz als K\u00fcnstlerin reichen, kommen in den Bildern zum Ausdruck und sind letztlich Spiegel der neuen \u201eDigital Bohemians.&#8221;(5)<\/p>\n<p><em>(1) In: Jordan, Matt Dukes, Weirdo Deluxe \u2013 The World of Pop Surrealism &amp; Lowbrow Art, San Francisco, 2005<br \/>(2) Kelley, Mike, in: Kat.: Mike Kelley \u2013 Missing Time, Kestner Gesellschaft, Hannover, 1995, S. 9<br \/>(3) McLuhan, Marshall, Die mechanische Braut \u2013 Volkskultur des industriellen Menschen, Amsterdam 1996, S. 81<br \/>(4) In Anlehnung an den Titel des Buches von Jean Baudrillard, \u201eKool Killer oder Der Aufstand der Zeichen&#8221;, Berlin 1978, ist der Begriff hier zweckentfremdet eingesetzt.<br \/>(5) Der Begriff \u201eDigital Bohemian&#8221; ist 1995 erstmals belegt von Elisa Rose und Gary Danner (\u201eStation<\/em><\/p>\n<p><em>Rose&#8221;).<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<strong>&nbsp;VON ANNE KATRIN FESSLE<\/strong><\/p>\n<p><strong>Raufende Lackschichten<\/strong><\/p>\n<p>Diana Deu platziert kritische Herde auf und unter der Bildoberfl\u00e4che \u2013 Ein Mittel der Dekonstruktion und der inhaltlichen Hinterfragung<\/p>\n<p>Diana Deu will, dass auf ihren Leinw\u00e4nden noch etwas passiert \u2013 im nachhinein. Wenn Lack mit Lack zu raufen beginnt oder auftapeziertes Papier von der Seite anp\u00f6belt, bricht die Oberfl\u00e4che auf, entstehen Risse, werden Schichten zu Tage bef\u00f6rdert, die vorher unsichtbar und zugedeckt waren.<\/p>\n<p>Deus Bilder sind nicht fertig. Sie arbeiten weiter. Sie entwickeln sich, ebenso wie ihre Protagonisten: Popkultur-Idole der 1950er und 1960er Jahre, deren spiegelnden Oberfl\u00e4chen sie Kratzer versetzt oder \u00fcbern\u00e4chtigte Teens und Twens, die sich Retro-Popkultur als Fashion-Accessoire \u00fcberst\u00fclpen.<\/p>\n<p>Mit Tusche, Lack und Bleistift, mit Acryl, Filzstift und Aquarell arbeitet Deu an der Vielschichtigkeit dieser Charaktere. Sie rekonstruiert grafisch, malerisch oder collagierend an den unterschiedlichsten Ebenenen dieser Selbstinzenierungen. Deu fertigt Portr\u00e4ts von popkulturellen Ikonen und jenen, die sich an deren Oberfl\u00e4chen orientieren, um dann zu fragen: Wie viel ist davon echt? Was steckt wirklich dahinter?<\/p>\n<p>Malerei, Zeichnung, Schrift und Collage treffen auf der Leinwand im harmonischen Nebeneinander und in konkurrierender \u00dcberlappung zusammen. Dennoch agieren alle Elemente parallel zur Bildfl\u00e4che, funktionieren additiv. Eine Ann\u00e4herung an eine fremde Identit\u00e4t, die sich spielerisch zusammenf\u00fcgt. Etwa so wie ein Puzzle von dem man nicht wei\u00df, wieviele Teile es letztendlich besitzt. Dieses Zusammenstecken \u00e4hnelt ein wenig den Identit\u00e4tsprofilen der Generation web 2.0 \u2013 wie etwa in MySpace oder Facebook, wo das soziale netzwerken ebenso zum Image-Tuning geh\u00f6rt, wie Fotos, Spr\u00fcche und Sound-Tapete. Dem Aufpolieren und Zurechtzimmern in parallelen Schichten, m\u00f6chte Deu in der Vertikalen, in den Rissen Wahrheiten abringen. Ihr formales Aufbrechen von Oberfl\u00e4chen wirkt im Inhaltlichen fort: Arbeitet dort subtil und effektiv gegen den sch\u00f6nen Schein.<\/p>\n<p>Deu bleibt bei all dem im Hintergrund \u2013 wie im Alltag h\u00e4lt sie sich raus, beobachtet und h\u00f6rt zu. Vor der Leinwand vermengen sich Gesichter und Geschichten mit Musik, die rund um die Uhr Deus Leben bestimmt. Sie heften sich an Songtexte und andere Zitate, die als Initial in die Titel \u2013 ihrer Bilder \u00fcbergehen: \u201eSorry, Miss Stupid&#8221; oder \u201eI get violent when I&#8217;m fucked up&#8221; (beide 2007). Die Ann\u00e4herung an die fremden Gestalten, das Kratzen an deren \u201aDahinter&#8217; war Deu aber irgendwann zu weit weg von ihr selbst. \u00dcber Bilder von ihren Freunden \u2013 Momentaufnahmen aus musikbestimmten, n\u00e4chtlichen Streifz\u00fcgen \u2013 n\u00e4herte sie sich mehr und mehr dem Eigenen an. Bis nun in ihren j\u00fcngsten Bildern sie selbst zur Mitspielerin und auch Protagonistin ihrer Leinwandgeschichten wird.<\/p>\n<p>Die distanzierte Beobachterin ist sie dabei aber geblieben. Nach wie vor setzt sie die Elemente \u2013 Motive aus Pop und Punk, aus geborgten Inszenierungen und Biografischem \u2013 impulsiv und spielerisch nebeneinander. Deu setzt die Schichten \u00fcbereinander und wei\u00df zwar wo etwas aufrei\u00dfen wird, die Effekte sind aber auch f\u00fcr sie \u00fcberraschend. Diese kontrollierte Unberechenbarkeit ihrer Technik trickst also auch Deu selbst aus und spuckt ihr Ebene f\u00fcr Ebene, Schicht f\u00fcr Schicht versch\u00fcttete und ignorierte Identit\u00e4tsbrocken vor die F\u00fc\u00dfe: Zur \u00dcberpr\u00fcfung der eigenen Authentizit\u00e4t, zur Selbstbefragung.<\/p>\n<p>\u201eI get along&#8221; hei\u00dft eine dieser privateren Bilder, die sie nun auch mit eigenen Lyrics f\u00fcttert. Ich komm schon klar, richtet sie aus, um f\u00fcr das, mit dem klar zu kommen ist, in Bild und Text ein Rezept zu offenbaren: \u201eYou&#8217;re better off, just havin&#8217; a laugh-getting pissed-and forgetting all about it. Doch die pinkfarbenen Spr\u00fchlack-Lettern verschwimmen im gleichfarbigen Bl\u00fcmchendelirium. Zorniger und auch im Format wuchtiger hingegen \u201eAnd you have killed me&#8221;. Dessen Motto breitet sich auf der Leinwand aus und konterkariert gemeinsam mit der von Gipsbinden gerahmten Mittelfinger-Geb\u00e4rde das idyllische Bild von Zweisamkeit.<\/p>\n<p>Deu hinterfragt auch ihr k\u00fcnstlerisches Selbstverst\u00e4ndnis, ihre Identit\u00e4t als K\u00fcnstlerin: \u201eI am not an artist&#8221; so die spontane und w\u00fctende gesprayte Geste, deren Kritik in Richtung Kunstmarkt zielt.<\/p>\n<p>Deus Bilder sind nicht fertig. Sie arbeiten weiter. Sie entwickeln sich, ebenso wie ihre Protagonisten: Popkultur-Idole der 1950er und 1960er Jahre, deren spiegelnden Oberfl\u00e4chen sie Kratzer versetzt oder \u00fcbern\u00e4chtigte Teens und Twens, die sich Retro-Popkultur als Fashion-Accessoire \u00fcberst\u00fclpen.<\/p>\n<p>Mit Tusche, Lack und Bleistift, mit Acryl, Filzstift und Aquarell arbeitet Deu an der Vielschichtigkeit dieser Charaktere. Sie rekonstruiert grafisch, malerisch oder collagierend an den unterschiedlichsten Ebenenen dieser Selbstinzenierungen. Deu fertigt Portr\u00e4ts von popkulturellen Ikonen und jenen, die sich an deren Oberfl\u00e4chen orientieren, um dann zu fragen: Wie viel ist davon echt? Was steckt wirklich dahinter?<\/p>\n<p>Malerei, Zeichnung, Schrift und Collage treffen auf der Leinwand im harmonischen Nebeneinander und in konkurrierender \u00dcberlappung zusammen. Dennoch agieren alle Elemente parallel zur Bildfl\u00e4che, funktionieren additiv. Eine Ann\u00e4herung an eine fremde Identit\u00e4t, die sich spielerisch zusammenf\u00fcgt. Etwa so wie ein Puzzle von dem man nicht wei\u00df, wieviele Teile es letztendlich besitzt. Dieses Zusammenstecken \u00e4hnelt ein wenig den Identit\u00e4tsprofilen der Generation web 2.0 \u2013 wie etwa in MySpace oder Facebook, wo das soziale netzwerken ebenso zum Image-Tuning geh\u00f6rt, wie Fotos, Spr\u00fcche und Sound-Tapete. Dem Aufpolieren und Zurechtzimmern in parallelen Schichten, m\u00f6chte Deu in der Vertikalen, in den Rissen Wahrheiten abringen. Ihr formales Aufbrechen von Oberfl\u00e4chen wirkt im Inhaltlichen fort: Arbeitet dort subtil und effektiv gegen den sch\u00f6nen Schein.<\/p>\n<p>Deu bleibt bei all dem im Hintergrund \u2013 wie im Alltag h\u00e4lt sie sich raus, beobachtet und h\u00f6rt zu. Vor der Leinwand vermengen sich Gesichter und Geschichten mit Musik, die rund um die Uhr Deus Leben bestimmt. Sie heften sich an Songtexte und andere Zitate, die als Initial in die Titel \u2013 ihrer Bilder \u00fcbergehen: \u201eSorry, Miss Stupid&#8221; oder \u201eI get violent when I&#8217;m fucked up&#8221; (beide 2007). Die Ann\u00e4herung an die fremden Gestalten, das Kratzen an deren \u201aDahinter&#8217; war Deu aber irgendwann zu weit weg von ihr selbst. \u00dcber Bilder von ihren Freunden \u2013 Momentaufnahmen aus musikbestimmten, n\u00e4chtlichen Streifz\u00fcgen \u2013 n\u00e4herte sie sich mehr und mehr dem Eigenen an. Bis nun in ihren j\u00fcngsten Bildern sie selbst zur Mitspielerin und auch Protagonistin ihrer Leinwandgeschichten wird.<\/p>\n<p>Die distanzierte Beobachterin ist sie dabei aber geblieben. Nach wie vor setzt sie die Elemente \u2013 Motive aus Pop und Punk, aus geborgten Inszenierungen und Biografischem \u2013 impulsiv und spielerisch nebeneinander. Deu setzt die Schichten \u00fcbereinander und wei\u00df zwar wo etwas aufrei\u00dfen wird, die Effekte sind aber auch f\u00fcr sie \u00fcberraschend. Diese kontrollierte Unberechenbarkeit ihrer Technik trickst also auch Deu selbst aus und spuckt ihr Ebene f\u00fcr Ebene, Schicht f\u00fcr Schicht versch\u00fcttete und ignorierte Identit\u00e4tsbrocken vor die F\u00fc\u00dfe: Zur \u00dcberpr\u00fcfung der eigenen Authentizit\u00e4t, zur Selbstbefragung.<\/p>\n<p>\u201eI get along&#8221; hei\u00dft eine dieser privateren Bilder, die sie nun auch mit eigenen Lyrics f\u00fcttert. Ich komm schon klar, richtet sie aus, um f\u00fcr das, mit dem klar zu kommen ist, in Bild und Text ein Rezept zu offenbaren: \u201eYou&#8217;re better off, just havin&#8217; a laugh-getting pissed-and forgetting all about it. Doch die pinkfarbenen Spr\u00fchlack-Lettern verschwimmen im gleichfarbigen Bl\u00fcmchendelirium. Zorniger und auch im Format wuchtiger hingegen \u201eAnd you have killed me&#8221;. Dessen Motto breitet sich auf der Leinwand aus und konterkariert gemeinsam mit der von Gipsbinden gerahmten Mittelfinger-Geb\u00e4rde das idyllische Bild von Zweisamkeit.<\/p>\n<p>Deu hinterfragt auch ihr k\u00fcnstlerisches Selbstverst\u00e4ndnis, ihre Identit\u00e4t als K\u00fcnstlerin: \u201eI am not an artist&#8221; so die spontane und w\u00fctende gesprayte Geste, deren Kritik in Richtung Kunstmarkt zielt.<\/p>\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eindr\u00fccke<\/h2>\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/st-andrae.info\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/DSC_4594-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1707\" data-id=\"8143\" src=\"https:\/\/st-andrae.info\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/DSC_4594-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8143\" 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Aprile 2022 @ 18:30 &#8211; VON G\u00dcNTHER HOLLER-SCHUSTER New Digital Bohemians \u2013\u00dcber die neuen Bilder von Diana Deu \u201eIn f\u00fcnfzig Jahren wird eine Sammlung der Werbetricks und -slogans eine interessantere Lekt\u00fcre bieten, als irgendetwas anderes, das in dieser Generation erschienen ist&#8221;Marshall McLuhan, 1930 Was McLuhan 1930 bereits prognostizierte, sollte er 1951 mit dem Erscheinen seines ersten Buches \u201eThe Mechanical Bride. &#8230;<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":8087,"template":"","class_list":["post-8086","event","type-event","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","event-categories-ausstellungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/st-andrae.info\/it\/wp-json\/wp\/v2\/event\/8086","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/st-andrae.info\/it\/wp-json\/wp\/v2\/event"}],"about":[{"href":"https:\/\/st-andrae.info\/it\/wp-json\/wp\/v2\/types\/event"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/st-andrae.info\/it\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/st-andrae.info\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8087"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/st-andrae.info\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8086"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}